Sonntag, 31. März 2013

Independent Sonntag: The Private Eye

Brain K. Vaughan ist vielleicht der beste Comicbuchautor der letzten 20 Jahre und wenn nicht das, dann auf jeden Fall der kreativste. 
Seine aktuelle Image Serie "Saga", mit tollen Artwork von Fiano Staples, ist in aller Munde und auch für sein magnum opus "Y - The Last Man" wird er noch lange Zeit gefeiert werden, nachdem es Eisner Award Nominierungen und Preisen regnete.
Er schrieb sowohl für die großen Verlage und ihre Franchises, als auch im Creator Owned Bereich, allerdings geht er mit seinem neusten Projekt "The Prive Eye", das er zusammen mit dem Marcos Martin startete, völlig neue Wege.
Auf der Homepage Panelsyndicate bieten sie eine neue Comicserie im Direktvertrieb und ausschließlich als digitalen Comic an. Nach dem "Bezahl was du willst"-Prinzip kann man zwischen 0 und x Dollar zahlen und bekommt das erste Heft in verschiedenen Formaten.
Wer also erst einmal reinschnuppern möchte, der kann es sich kostenlos klicken und wenn es ihm gefallen hat, einen Obolus bequem per Paypal hinterlassen.
Erstmal ist es wirklich toll, dass man das Comic so problemlos und leicht bekommen kann, aber es ist auch noch außergewöhnlich gut!
Das Format ist an Tabletgeräte angepasste, also im horizontalen Querformat, wie es auch bei den von vielen Verlagen mittlerweile veröffentlichten digital Firsts der Fall ist. Das ist bequem und funktioniert mit Martins sehr geometrischem Panelaufbau sehr gut.
Das Artwork ist zeckmäßig. Nicht überragend, aber auch kein Reinfall, allerdings hat es seine Stärklen vor allem im Erzählen und den verrückten Kostümen. 
BKV erschafft hier eine paranoide Welt, die genau der Gegenentwurf zu der sich selbst entblößenden postprivacy Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist. Auf geistreiche Art und Weise beschreibt er die dystopische Zukunft, in der auf der Suche nach Privatssphäre Menschen nur noch verkleidet auf der Straße anzutreffen sind. Um nun Fakten über Personen überhaupt herauszufinden muss man schon Privatschnüffler bzw. Paparazzi anheuern. Aus Sicht eines Menschen, der diesem Handwerk nachgeht, wird die Geschichte in "The Private Eye" erzählt. Dabei spielt BKV auf besonders kreative Art und Weise mit den Möglichkeiten und erschafft eine lebendige, fiktive, aber trotzdem sehr konsistente Welt.
Die erste Ausgabe macht große Lust auf viel mehr und schafft es eine angenehme Mischung aus Verwirrtheit, Neugier und Faszination beim Leser zu hinterlassen. Ironischerweise erscheint dieses der digitalen Welt durchaus kritisch gegenüber eingestellte Werk nach derzeitigem Stand ausschließlich digital. Das sollte aber überhaupt nichts machen und jeder, der heute noch Berührungsängste mit digitalen Comics hat, sollte die Gelegenheit nutzen und in diese bunte und völlig verrückte Welt eintauchen.
Wie es schon auf Twitter geschrieben wurde, es gibt keinen Grund mehr, weshalb man dieses Comic nicht lesen sollte!

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